750 Jahre Liers an der Ahr

Liers kann in diesem Jahr auf 750 Jahre wechselvolle Geschichte zurückblicken. Erstmals erwähnt wurde Liers in den Regesten der Kölner Erzbischöfe von 1265. Ein geschichtlicher Rückblick an dieser Stelle würde sicherlich zu weit Führen. Wer mehr wissen will, kann dies in der von Heribert Wald sorgsam zusammen getragenen Chronik, die am Festwochenende erhältlich sein wird, nachlesen.

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Liers: Dorfmitte im Jahr 1930

Liers: Dorfmitte heute

Liers: Dorfmitte heute

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Einer Auseinandersetzung zwischen dem Erzbischof von Köln und Walram von Jülich verdankt Liers seine erste bekannte urkundliche Erwähnung. Hierbei verlangt Walram von Jülich aufgrund Erbrecht für seine Frau Magtheldis unter anderem ….die Häuser und mansiones im Ahrtal diesseits des Baches Rosbag, die villae Cruceberg (Kreuzberg), Brugge (Brück), Dene (Denn), Lesere (Liers) und Lesere (Obliers)…. „ Schriftlich vermerkt ist dies in den „Regesten der Kölner Erzbischöfe“, 3. Bd., 1205 – 1304, hier vom 18. Dezember 1265

Über die folgenden Jahrhunderte wissen wir über Liers nur, dass es einen eigenen Dingstuhl (Gerichtsbezirk) im kurkölnischen Amt Are mit Sitz in Altenahr bildete und bis 1794 zum Eigenbesitz des Grafen von Are gehörte. In Hönningen hingegen be-saß zunächst das Stift St. Kunibert zu Köln und später die Johanniterkommende in Adenau die Grundherrschaft und damit eine eigene Gerichtsbarkeit.

1794 endete die Herrschaft der Kölner Erzbischöfe, die Franzosen besetzten nach der französischen Revolution die gesamten linksrheinischen Gebiete und verleiben sie schließlich in den französischen Staat ein. Liers gehört nun im Departement Rhin et Moselle und im Kanton Ahrweiler zur Mairie (Bürgermeisterei) Altenahr. Die von dem französischen Militärgeographen Tranchot gezeichnete Landkarte zeigt für Liers zwei etwa 200 m auseinander liegende Ortsteile, nämlich „Liersch“ und „Klein Liersch“. Diese beiden Ortsteile sind den älteren Bewohnern noch als „Dörf“ und „Höef“ bekannt, wuchsen diese beiden Ortsteile doch erst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch intensive Bautätigkeit zusammen.

Nach der Niederlage Napoleons wurde das Rheinland schließlich ein Teil Preußens. Liers lag nun in dem bitterarmen Kreis Adenau, die Leute lebten mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft. Schlechte Witterungsbedingungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Kleinstparzellen infolge der Realerbteilung und geringes Wissen über die Grundlagen der Landwirtschaft führten zu einem Teufelskreis der Not. Dies ver-anlasste viele junge Menschen damals, die Heimat zu verlassen und ihr Glück in den Industriezentren an Rhein und Ruhr oder gar in Übersee zu suchen. Allein im Jahre 1842 wanderten 19 Personen aus Liers nach Amerika aus. Im gesamten 19. Jahr-hundert waren es 33 Auswanderer.

Erst langsam besserten sich die Lebensverhältnisse durch Investitionen des preu-ßischen Staates. Die Ahr wurde reguliert und so neues Wiesenland gewonnen, die Straßen wurden ausgebaut, Dorfschulen wurden gebaut und schließlich die Ahrtal-bahn, die ab 1888 bis Adenau fuhr.

Im Jahre 1887 wurde in der neu gebauten Volksschule der Unterricht aufgenommen. Der Lehrer unterrichtete die zunächst fünfzig Kinder der acht Schuljahre gleichzeitig in einem Klassenraum und verdiente weniger als 1000 Mark – im Jahr wohlgemerkt.

Von 1939 bis 1948 blieb die Lierser Schule geschlossen, die Lierser Kinder mussten den Unterricht in Hönningen besuchen, sofern er nicht wie in den letzten Kriegsjahr-en ganz ausfiel. Bei der Wiedereröffnung der Schule 1948 besuchten zunächst 18 Kinder den Unterricht, im Schuljahr 1950/51 aber bereits wieder 28 Kinder. In den Folgejahren bis zur endgültigen Schließung der Lierser Schule im Jahre 1970 wurden es stets weniger Kinder.

Im Sommer 1910 wird Liers wie auch die übrigen Ahrorte von dem verheerenden Hochwasser schwer betroffen. Die Brücke ist eingestürzt, was das Dorf wohl vor noch höherem Wasserstand und Schaden bewahrt hat. Diese sind aber auch so enorm. Drei Leichen fand man nach dem Hochwasser im Bereich der Gemeinde Liers, aber niemand aus Liers war zu Tode gekommen.

Im ersten Weltkrieg kamen vier Soldaten aus Liers ums Leben. Am Ende des Krieges wurden amerikanische Soldaten in der Schule und auch in den Privathäusern ein-quartiert. Die Menschen hatten während und nach dem Kriege manche Entbehrung-en zu ertragen. Auch in der Zeit zwischen erstem und zweitem Weltkrieg war Liers hauptsächlich von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft geprägt. Die Volks- und Be-triebszählung 1925 führt neben 201 Einwohnern 5 Pferde, 94 Rindviecher, 22 Schweine, 42 Ziegen und 349 Hühner auf. Die meisten Haushaltsvorstände gaben Landwirt oder Arbeiter als Beruf an, daneben gab es einen Maurer, zwei Schreiner, zwei Eisenbahner, einen Gastwirt, einen Kaufmann und einen Lehrer.

Bereits 1925 wurde Liers mit Elektrizität versorgt. Ab1939 werden die Häuser an eine Wasserleitung angeschlossen, welche Wasser aus dem Denntal über Brück und Hönningen bis nach Liers führt. Bis dahin hatte man das Wasser entweder aus Haus-brunnen oder gar aus dem Liersbach oder der Ahr entnommen, was nicht selten zu schwerwiegenden Infektionskrankheiten geführt hatte.

Der zweite Weltkrieg war für die Leute hier wie anderswo mit noch größeren Schre-cken und Opfern verbunden als der erste Weltkrieg. Dies gilt insbesondere für die Endphase des Krieges, als man in ständiger Angst vor Luftangriffen die Tage meist in den angelegten Bunkern verbrachte, bis der Krieg vorbei war. Am 08.März 1945 war Liers wie die meisten Orte rundum von den Amerikanern besetzt. Im Juli über-nahmen dann die Franzosen die Besetzung. Die Infrastruktur (Wasserleitung, Elek-trizität und Bahnverkehr) wurden erst nach und nach wieder instand gesetzt.

Erst ab Anfang der sechziger Jahre nahm die Entwicklung von Liers wieder Fahrt auf. Die Bedeutung der Landwirtschaft ging mehr und mehr zurück, bis 1987 die letzte Kuh aus Liers verkauft wurde. Die Männer verdienten ihr Geld nun zumeist im Hand-werk und in Industriebetrieben außerhalb von Liers. Zahlreiche junge Familien bau-ten nun neue Häuser und die zwei ursprünglichen Ortsteile wuchsen rasch zusam-men, zumal nun auch noch Leute aus den Städten aufs Land zogen und hier bauten. Die Automobilisierung war nicht mehr zu stoppen. Gab es 1960 in Liers erst drei Au-tos, so hatte sich diese Zahl bis 1970 in etwa verzehnfacht.

Anfang der siebziger Jahre begann der Bau der Pumpenfabrik Josef Emmerich durch den damaligen Jagdpächter. Dieses Unternehmen hat bis heute zahlreichen Men-schen aus Liers und Umgebung Arbeit und Einkommen gebracht.

1972 endet dann die Geschichte von Liers als selbständiger Gemeinde. Im Zuge der Kommunalreform wurde man eingemeindet nach Hönningen, was der positiven Ent-wicklung von Liers in den Folgejahren jedoch keinen Abbruch tat. Ein Bebauungs-plan wurde aufgestellt für die mitten im Ort liegende „Herrenwiese“ und im Zuge der Flurbereinigung in den achtziger Jahren wurden hier über 40 neue Bauplätze ge-schaffen, die mittlerweile bereits großenteils bebaut sind. Nicht zuletzt dadurch ist die Zahl der Einwohner von Liers von 172 im Jahre 1964 auf derzeit 278 angewachsen. Ein Gemeindehaus für Vereins- und Familienfeiern wurde 1986 gebaut, der Dorfplatz wurde neu gestaltet (1989), in den neunziger Jahren wird Liers schließlich kanalisiert, die Wasserleitung u.a. werden erneuert und schließlich werden alle Straßen neu hergestellt. 1999 schließlich gaben Bürgermeister Hans Josef Weber und zahlreiche Gäste beim Dorffest unter dem Motto „Liers 2000“ die neuen Straßen frei.

Liers war aufgrund der vom Gemeinderat herbei geführten Maßnahmen, aber auch aufgrund zahlreicher privater Initiativen ein moderner und attraktiver Ort geworden. Die Belohnung hierfür ließ auch nicht lange auf sich warten. Bereits 1999 wird Liers Kreissieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“, selbst beim Bezirksentscheid belegt man einen beachtlichen 4. Platz. Im Jahr 2000 wird Liers dann zum Kreissieger in der Sonderklasse gekürt. Heute gilt es, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern die Attraktivität des Ortes Liers kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Heribert Wald

Am Tag der 750-Jahr-Feier (05.Juli, 2015) erscheint eine Festschrift, mit folgenden Themenschwerpunkten:

  • Die Geschichte von Liers
  • Die Geschichte der Lierser Volksschule
  • Die Bartholomäuskapelle zu Liers
  • Sitten und Bräuche in Liers
  • Lierser Redensarten (in Mundart)
  • Die Lierser Vereine
  • Die Firma „Pumpenfabrik Josef Emmerich“
  • u.a.

Außerdem findet eine Ausstellung historischer Fotos von Liers sowie eine Vorführung älterer Filme über Liers statt.

Bei Bedarf nach weiteren Vorabinformationen oder historischen Fotos zu Liers kontaktieren Sie bitte: heribert.wald@gmx.de oder 02695-897

Festprogramm:

Freitag, 3. Juli
20.00 Uhr Fassanstich
20:30 Uhr Live Musik

Samstag, 4. Juli
20:30 Uhr Tanz mit Willi Bellinghausen und Co

Sonntag, 4. Juli
9:30 Uhr hl. Messe mit Blasorchester Hönningen
11:00 Uhr Festkommers mit Blasorchester und Kindergarten
Anschließend Frühschoppen mit Jagdhornbläsern
Ab 12:00 Uhr Mittagessen durch Dorfgemeinschaft Liers
Ab 14:00 Uhr Spielmobil auf dem Bolzplatz
14.00 Uhr Führung Historisches Liers
14:30 Uhr Fanfarencorps Hönningen
15:00 Uhr Tanzgruppe Saltamus Gaudeo, Altenahr
15:30 Uhr Feuerspucker
Fanfarencorps Hönningen
16:00 Uhr Tanzgruppe Saltamus Gaudeo, Altenahr
16:00 Uhr Führung Historisches Liers
16:30 Uhr Feuerspucker
Fanfarencorps Hönningen
Neben diesen Darbietungen sind ein Korbmacher, ein Bäcker und die Ahrglühköpp mit von der Partie.

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